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Offener Brief an den designierten Vorsitzenden der Fraport AG
Hans Jakob Gall
Adam-Stegerwald-Str. 6
65439 Flörsheim
Offener Brief an
Herrn Dr. Stefan Schulte
Vorstand Finanzen und Bau
Flughafen Frankfurt am Main
60549 Frankfurt
10.03.2009
Sehr geehrter Herr Dr. Schulte,
in der Zeitschrift IHK WirtschaftsForum 03/09 haben Sie unter der Überschrift „Der Ausbau hat begonnen“ Ihre Sicht der Dinge zum Flughafenausbau zusammengefasst.
Auf dem Bild unter der Überschrift ist die Landebahn Nordwest dargestellt, computersimuliert zwar, aber dennoch: Die Landebahn erstreckt sich dort in einer Ödnis, obwohl sie doch mitten in bewohntes Gebiet hineingebaut wird. Die Betrachter ab nördlich von Frankfurt sehen es mit Freude, wir am Main mit Entsetzen. Wo sind die Menschen, die unmittelbar neben der Landebahn und um sie herum wohnen und leben?, frage ich Sie.
Ich wiederhole meine Frage an der Stelle, an der Sie schreiben: „Auch für die Umwelt ist gesorgt“ und Sie von Eidechsen, Käfern, Vögeln und Fledermäusen schreiben. Aber wir Menschen am Untermain sind ebenfalls Teil der Umwelt, unsere Vorfahren haben diese Kulturlandschaft seit hunderten von Jahren geschaffen, wir haben sie vorgefunden, wir leben dort, wollen sie erhalten und an unsere Kinder weitergeben, aber über uns haben Sie in Ihrem Artikel kein einziges Wort verloren, kein einziges Wort!
Etwas später schreiben Sie: „Allein durch den Flughafenausbau werden, gutachterlich prognostiziert, ... bis zu 100.000 Arbeitsplätze neu geschaffen beziehungsweise gesichert.“ Gutachterlich prognostiziert – darauf können Sie, Herr Dr. Schulte, sich später zurückziehen, Ihre Hände in Unschuld waschen und auf den oder die Gutachter zeigen und sagen: „Hätte ich denen denn nicht glauben sollen? Ich war doch nicht der einzige Gutgläubige!“
Sehr geehrter Herr Dr. Schulte, dies war meine Anrede und ich wiederhole sie hier. Denn ich habe keinen Zweifel daran, dass Sie ein ehrenwerter Mann sind. Und gerade deshalb glaube ich, dass Sie sich zu gegebener Zeit an die Worte eines alten Herrn erinnern, der gemeinsam mit vielen Gleichaltrigen und Gleichgesinnten noch immer versucht, die Landebahn Nordwest zu verhindern.
Ich sage Ihnen: Dieser Flughafenausbau ist ein Fehler, denn er ist durch seine Größe, durch seinen Gigantismus volkswirtschaftlich, ökonomisch, ökologisch und gesellschaftlich in so hohem Maße unverträglich, dass Sie in einigen Jahren es laut und vor der Presse verkünden: Hätten wir nur den Gegnern des Ausbaus geglaubt, dass es richtiger gewesen wäre, unseren Flughafen fein herzurichten als ihn wachsen zu lassen wie einen Dinosaurier, den wir nicht mehr loswerden und der begonnen hat, uns selbst zu verschlingen. So haben wir viel Geld ausgegeben und haben unser Ansehen in der Welt verspielt, weil wir den gutachterlichen Prognosen mehr Glauben geschenkt haben als dem gesunden Menschenverstand der von Lärm und Schadstoffen und Wertverlust und Vertreibung betroffenen Nachbarn – und als dem gesunden Menschenverstand von uns selbst.
Es könnte sein, dass diese Einsicht Sie schneller erreicht als mich (ich bin 74 Jahre alt) mein Ableben.
Hochachtungsvoll
Hans Jakob Gall
Vorsitzender des Vereins Für Flörsheim e. V.
und Mitinitiator des Stillen Protests „Gegen den Flughafenausbau" |
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