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„Wir wollen diesen Ausbau nicht...“
Grundsatzerklärung des Vorsitzenden des Solidaritätsvereins Für Flörsheim e.V., Hans Jakob Gall, vom 19.11.2007.
Wenn man sich auf einer Landkarte ansieht, wie der Flughafen mit der geplanten Landebahn Nordwest sich hineinschiebt in das bisschen Wald, der uns geblieben ist als grüne Mauer zwischen Flugfeld, Autobahn und ICE-Strecke einerseits und dem Main mit den Untermainstädten andererseits; wenn man sich vorstellt, wie Beton gegossen werden soll auf der grünen Fläche, auf der jetzt noch Millionen Bäume als Sauerstofflieferanten wachsen, die eine Unzahl von Tieren beherbergt und die Erholungsort für viele Menschen ist, auf der grünen Fläche zwischen dem Flughafen und den Städten Kelsterbach und Raunheim, zwischen dem Flughafen und Hattersheim und seinen Stadtteilen und der Kernstadt von Flörsheim, wenn man sich das vorstellt erkennt man, dass dieser Flughafen ein innerstädtischer Flughafen werden soll, wo doch überall auf der Welt und auch in Deutschland die Flughäfen hinaus aufs Land gebaut wurden und werden.
Der Flughafen Frankfurt hat den Ausbau lange vor sich hergeschoben, er war sich nicht sicher, ob er nach den Auseinandersetzungen um die Startbahn West und das damals gegebene Versprechen, keine Flughafenerweiterung über den Zaun hinaus, einen Ausbau durchsetzen kann, und dieses jahrelange Zögern hat diesen Flughafen, im Gegensatz zu den Flughafenbetreibern in München, die den Flughafen München-Riem aufgegeben und ihn ins Erdinger Moos hineingebaut haben, um die Chance gebracht, ein Stück weit vor den Toren Frankfurts Start- und Landebahnen zu bauen. Doch dann hat die Politik dem Drängen vor allem der Lufthansa nach Erweiterung nachgegeben und eine Brücke bauen lassen, Mediation genannt, und hat honorige Leute, darunter den Pfarrer Oeser aus Mörfelden, dazu gebracht, eine Vereinbarung zu suchen, die dem wachsenden Flughafen und den Anrainern, die Ruheschutz suchen, die Möglichkeit geben sollte, sich daran zu halten und miteinander auszukommen.
Wenn Sie sich heute noch einmal im Fernsehen ansehen und sich anhören, wie gerade Pfarrer Oeser mit sich gekämpft hat, um das Ergebnis der Mediation vorzulegen, wie er Ausbau und Ausbauhemmnisse gegenübergestellt und beschrieben hat, so sind Sie in eine andere Zeit zurückversetzt, die nichts mehr mit der heutigen Situation zu tun hat. Ob es sich um das Nachtflugverbot oder um die Lärmbelastung der Bevölkerung, auch und gerade in Flörsheim, handelt, nichts stimmt mehr mit dem so genannten Mediationsergebnis überein. Und wenn Pfarrer Oeser heute noch leben und hören würde, wie Nachtflugverbot und Lärmmengen diskutiert und zerredet werden, er würde den Mediationsbericht zerreißen und seine Reste den Damen und Herren Ausbauwilliger vor die Füße werfen. Nun, so wollen wir es tun, und so werden wir wie bisher gemeinsam mit einigen Landkreisen, mit den Städten und Gemeinden rings um den Flughafen, mit den Umweltverbänden, die Vogelschlag, Wald- und Wasserverbrauch, Bodenversiegelung und vieles mehr thematisieren, und mit den vielen Initiativen, die mit Intelligenz und mit Geld ausgestattet den Weg zu den Gerichten suchen, und gemeinsam mit unseren Anwälten alles unternehmen, um den Ausbau noch zu verhindern. Auch wenn es uns nur gelingt, ihn weiterhin massiv zu verzögern, können wir dies als Erfolg feiern. Denn jedes Jahr der Verzögerung ist ein Jahr, das neue Erkenntnisse bringt, ob im Luftverkehr, ob am Boden, ob in der Beurteilung der Schädlichkeit des Fluglärms oder der Umweltverträglichkeit des Fliegens.
Nur zur Erinnerung: Bereits im Jahr 2006 sollte der Ausbau vor allem mit einer Landebahn Nordwest fertiggestellt sein, zur Fußballweltmeisterschaft im vergangenen Jahr sollten die ersten Flugzeuge dort landen. Dies haben wir alle, die sich gegen den Ausbau verbündet haben, gemeinsam mit guten, tüchtigen Anwälten verhindert, obwohl noch drei oder vier Jahre zuvor nur wenige an diesen Erfolg glauben konnten.
Und mit jedem Jahr, mit dem der Ausbau verzögert wird, wird es erkennbar, dass er nicht gebraucht wird. Lassen Sie mich dafür ein Beispiel bringen aus der vergangenen Woche.
Da war unter der Überschrift „Fraport geht auf Rekordkurs“ im Höchster Kreisblatt zu lesen, dass Fraport seine Gewinne im Geschäft mit Immobilien und Einzelhandel und mit Auslandsbeteiligungen macht, nicht mehr mit seinem Kerngeschäft Luftverkehr und Bodenverkehrsdienste. Und jetzt noch etwas zum Schmunzeln: Der Großteil der Einnahmen am Flughafen Hahn „stammt aus den Parkgebühren“. (Ich vermute und füge hinzu: ... und aus den Einnahmen der Toilettenhäuschen!) Dies wäre zum Lachen, wenn uns nicht ständig die Wichtigkeit des Frankfurter Drehkreuzes für Wachstum und Arbeitsplätze um die Ohren gehauen würde. Übrigens: Die FAZ hat die Sache mit den Parkgebühren nicht gebracht, sie war ihnen wohl zu läppisch.Der von der Fraport AG und den meisten der in Hessen regierenden Parteien mit immer neuen Hinweisen auf 100.000 Arbeitsplätze befürwortete Ausbau hat viele Menschen rings um den Flughafen im wahrsten Sinne des Wortes aufgebracht, hat sie dazu gebracht, Nein zu sagen gegen die Pläne einer Aktiengesellschaft, die uns mit aller Macht und mit viel Geld davon überzeugen will, nur durch einen Ausbau ihres Flughafens Frankfurt Rhein-Main den Anschluss an internationale Entwicklungen halten zu können.
Nun zu einigen unserer Aktivitäten. Vor etwas über einem Jahr haben wir im Wald, kurz vor dem Flörsheimer Forsthaus, gemeinsam mit unseren Freunden von der WIDEMA, eine Stelle markiert, die wir „die Kreuzung" genannt haben und die genau der Kreuzung Weilbacher Straße/Rheinallee entspricht. Dort im Wald fliegen schon lange, wie bei uns nach den Ausbauplänen, die Flugzeuge bei Ostwetterlage in nur 275 Metern Höhe auf ihre jeweilige Landebahn zu und wir wollten mit der Einrichtung des Waldplatzes zeigen, welchen Belastungen ein großer Teil der Flörsheimer Einwohner bei dieser niedrigen Flughöhe ausgesetzt sein wird. Es ist ja nicht allein der beim direkten Überflug entstehende Schalldruck, der durch seine Stärke gewaltigen Schrecken hervorruft, der Leben, Wohnen und Kindererziehung unmöglich macht, es ist vor allem das stetige An- und Abschwellen des Lärms, der jedes Lebensgefühl allein auf das Heranfliegen der Flugzeuge reduziert. Sich konzentrieren, nachdenken und geistige Arbeit verrichten ist für Männer und Frauen ausgeschlossen und ist besonders für Kinder und Heranwachsende unmöglich, ihre schulischen Leistungen leiden darunter, ihre Entwicklung wird gestört. Hinzu kommt, dass die Flugzeuge in dieser geringen Höhe mit den Augen verfolgt werden müssen, man ist gezwungen sie ins Auge zu fassen, und wir stellen uns vor wie es sein wird, wenn über den fahrenden Autos in der Rheinallee ein Flugzeug herankommt, wem wird man seine Aufmerksamkeit wohl widmen? Die Bedrohung durch das Flugzeug wird eine Menge unfallträchtiger Situationen schaffen, dessen kann man sicher sein.
Bei unserem zweiten Waldspaziergang am 11. November des vergangenen Jahres hat uns Bürgermeister Antenbrink begleitet. Er und alle, die uns in den Wald gefolgt sind waren sich einig, dass dieser Lärm und der noch nicht messbare, aber zu befürchtende Schadstoffausstoß eine ebenso große Hürde gegen den Ausbau darstellen wird wie das Chemiewerk Ticona. Da wussten wir noch nicht, dass nur einige Tage später, am 28. November 2006, sich Ticona und Fraport einigen würden, dass der Standort Kelsterbach aufgegeben und dass – weitgehend auf Kosten der Fraport AG – an anderer Stelle ein neues Werk errichtet werden soll. Doch mit diesem Handel war die Unvereinbarkeit von Chemieanlage und Nordwest-Landebahn – die lange Jahre von den Ausbaubefürwortern vehement bestritten wurde – festgestellt und mit der gigantischen Summe von 670 Millionen Euro aus dem Weg geräumt. Durch diesen Deal jedoch, der viele Menschen mutlos gemacht hat, wurde uns klar, dass nun auch die Unvereinbarkeit von Nordwest-Landebahn und den Städten am Untermain, vor allem unserer Stadt Flörsheim festgestellt werden muss. Die Landebahn oder einige Städte voller Menschen – ein Nebeneinander gibt es nicht. Sehen Sie sich hierzu die Lärmkarte über Flörsheim-Nord an. Die schmale, rosarote Zunge in der Karte zeigt den mit 68 dB – errechneten – Lärm an, bei zu erwartenden Einzelschallereignissen, von Freunden von uns gemessen am 19. 12. 06 im Flörsheimer Wald, von 73 bis 88 dB(A). Im Wald! – gedämpft durch Bäume, Äste und Zweige und feuchten Waldboden. Was dürfen wir erst erwarten, wenn der Schall noch zwischen Hauswänden und Straßen gespiegelt wird!
Wir im Verein haben uns schon früh auf den Standpunkt gestellt, dass die Ticona nur einen der Stolpersteine auf dem Weg zum Ausbau darstellt. Hier wird eine Chemie- und Kunststoff-Fabrik beiseite geräumt, um die dort arbeitenden Menschen und die Menschen in der Umgebung der Fabrik vor Schäden zu schützen, die dann entstehen können, wenn ein Flugzeug kurz vor der Landung in die Betriebsanlagen stürzt. Also nicht die Produktion, die Menschen haben hier gesiegt. Wir haben schon immer gesagt, auch wir werden siegen, denn auch bei uns in Flörsheim, bei unseren Nachbarn in Hochheim und in Hattersheim und in allen Stadtteilen der drei Städte wird es nicht mehr möglich sein, ungefährdet und lärmfrei zu leben. Denn es ja ist nicht allein der Landeanflug von Westen her, der den Untermain verlärmt, auch beim Landeanflug von Osten her, wenn die Flugzeuge die Landebahn verlassen, um zu den Terminals zu gelangen, wenn sie dabei mit Schub die westliche Brücke hinauffahren, die über die Autobahn A 3 und die ICE-Strecke Frankfurt-Flughafen/Köln führt, wird besonders in Eddersheim und Okriftel in Hattersheim, aber auch über Flörsheim hinaus nach Hochheim und bis hinauf nach der Kreisstadt Hofheim der unaufhörliche Roll-Lärm, also ein ständiges Grollen von Triebwerken zu hören sein, der gesamte Main-Taunus-Kreis wird darunter zu leiden haben.
Wir haben versucht, dies den Abgeordneten des Hessischen Landtags deutlich zu machen. Wir haben im Februar 2007, im Vorfeld der Parlamentsdiskussion um den neuen Landesentwicklungsplan, die Abgeordneten aller Parteien angeschrieben und sie gebeten, sich durch einen Besuch mit uns im Wald bei Ostwetterlage über die auf Flörsheim zukommende Belastung zu informieren. Im Laufe der folgenden Monate konnten wir zu verschiedenen Terminen jeweils einigen Damen und Herren der CDU, der Grünen und der SPD zeigen, wie die landenden Flugzeuge über Flörsheim beim Bau der Landebahn hereinkommen werden und darauf hingewiesen, dass unter diesen Umständen ein Leben in unserer Stadt nicht möglich ist.
Es war uns nicht möglich, die Ausbauwilligen unter den Politikern zu überzeugen, dass ein Ausbau unter diesen Umständen nicht stattfinden darf. Zu sehr glauben sie daran, dass der Ausbau 100.000 Arbeitsplätze schafft und dass vom Ausbau der Wohlstand der Region, von ganz Hessen und sogar der Bundesrepublik Deutschland abhängt, und diese Arbeitsplätze sind es, mit denen uns und besonders den jungen Menschen in der Region der Widerstand gegen den Ausbau ausgeredet werden soll.
Ein Offener Brief am 24. 7. 07 an Frau Merkel, unsere Bundeskanzlerin, die anlässlich eines Besuchs in Hessen von 15.000 Arbeitsplätzen sprach und die, wie wir schrieben, durch ihr hohes Amt eine andere Zahl genannt bekam wie wir, blieb ohne Antwort, ebenso wie ein Offener Brief an Frau Ypsilanti von der SPD Hessen, die zwar immer betont, den Ausbau nur im Rahmen der Mediation zuzulassen, ihn aber trotzdem auch heute noch als unverzichtbar darstellt. Unsere häufigen Angriffe auf die Landesregierung und besonders auf den Ministerpräsidenten dürfen hier nicht unerwähnt bleiben, ich denke, Sie haben unsere Presseberichte oft gelesen.
Ich verwende bei einer Gelegenheit wie dem Waldspaziergang gerne den Vergleich, dass die Überflutung durch Lärm keine Konsequenzen hat, während bei einer Überflutung eines Landstrichs irgendwo auf der Welt, zum Beispiel durch den Bau eines Staudamms, die dort wohnenden Menschen auf Kosten des Staates umgesiedelt werden. Vor allem hier in Deutschland trifft es zu, wenn eine Gemeinde dem Braunkohleabbau weichen muss. Der allfällige Hinweis auf das CASA-Programm der Fraport AG hat mich noch nie davon überzeugt, dass die Besitzer von Wohnungen und Häusern hier in Flörsheim eine ausreichende, faire Entschädigung erhalten werden. Allerdings ist allein das Vorhandensein eines solchen Programms der Beweis dafür, dass selbst der Flughafenbetreiber erkennt, dass Leben und Wohnen unter dem Lärmteppich nur unter Beeinträchtigung der Gesundheit möglich sind.
Dies wird besonders durch neuere Studien bewiesen. Eine großangelegte Studie von Prof. Dr. med. Eberhard Greiser im Umfeld des Flughafens Köln-Bonn mit mehr als 800.000 Versicherten von sieben gesetzlichen Krankenkassen belegt den Zusammenhang von Fluglärm und Medikamentenverbrauch, besonders in Bezug auf Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch die Studie von Prof. Kaltenbach, erstellt im vergangenen Jahr im näheren Umfeld des Frankfurter Flughafens, lässt aufhorchen, zeigt sie doch, wie nächtlicher Fluglärm den Blutdruck in die Höhe treibt. Einer Studie der Londoner Universität zufolge könnte starker Fluglärm das Lese- und Erinnerungsvermögen von Kindern beeinträchtigen. Auch die Luftverschmutzung sei gefährlich: Atemwegserkrankungen wie Bronchitis und Erkältungen könnten die Folge sein.
Wie viele Studien müssen noch folgen, bis sie vor Gericht verwendet werden, das allein ist hier die Frage. Denn es ist zu befürchten, dass der Weg zu Einschränkungen des Fluglärms genau so lang sein wird wie der Weg zum Nichtrauchergesetz, dem Gesetz zum Schutz vor den Gefahren des Passivrauchens. Doch können wir davon ausgehen, dass die Worte von Nobelpreisträger Robert Koch, vor bald einem Jahrhundert von ihm geschrieben, irgendwann die Grundlage von schärferen Gesetzen gegen den Lärm bilden wird: Er schrieb: „Eines Tages wird der Mensch den Lärm ebenso unerbittlich bekämpfen müssen wie die Cholera und die Pest.“
Vom 23. März dieses Jahres an wurden noch einmal die Pläne zum Ausbau ausgelegt, und noch einmal konnten Einwendungen gegen den Ausbau erhoben werden. Unsere Anwälte haben Muster-Einwendungen erstellt und so konnten wir am 4. Mai noch einmal 322 Einwendungen dem Regierungspräsidenten in Darmstadt übergeben, über die Einwendungen hinaus, die von unseren Mitgliedern, aber auch von nicht dem Verein zugehörigen Bürgerinnen und Bürgerinnen direkt verschickt worden sind. Während der Auslegung hatten wir am 30. März eine Informations-Veranstaltung in der Flörsheimer Stadthalle gemeinsam mit der Stadt Flörsheim abgehalten, auch damals hat Herr Dr. Schröder die Wichtigkeit der Einwendungen betont. Für unsere fast 60 Musterkläger hat das Büro Nörr Stiefenhofer Lutz Anfang Mai dieses Jahres ebenfalls Einwendungen erhoben, mit einem Schriftsatz von 239 Seiten. Zu unseren Musterklägern wird Herr Dr. Schröder nachher noch einiges zu sagen haben.
Zum so genannten Anti-Lärm-Pakt ist in den vergangenen Tagen und Wochen viel gesagt worden. Ich möchte in diesem Zusammenhang ausdrücklich nicht politisch werden, davon war in den Zeitungen oft genug zu lesen. Sagen möchte ich aber – und Herr Antenbrink kennt unsere, meine Einstellung zum ALP –, viele Menschen im Verein für Flörsheim, in den Solidaritätsvereinen in der Nachbarschaft und besonders die Führungsmannschaft der WIDEMA, die ja im Regionalen Dialogforum vertreten ist, haben den ALP von Anfang an abgelehnt. Der ALP geht ja über den Planfeststellungsbeschluss hinaus, er soll erst dann greifen, wenn der Planfeststellungsbeschluss rechtskräftig ist. Also, so haben wir gesagt, ist eine Zustimmung zum ALP eine Zustimmung zum Ausbau. Dies mag man anders sehen, viele von uns sehen es so und die Diskussionen in den letzten Wochen, sei es um Nachtflugverbot oder um Lärmminderung durch geänderte Anflugverfahren, geben unserer Auffassung nachträglich recht. Hinzu kommt, dass die von Prof. Wörner, dem Vorsitzenden des Regionalen Dialogforums, in den ALP hineingebrachten 15 Nachtflüge, eine als seine eigene Meinung kursiv in den Text hineingeschriebene Zahl, besonders von Mitgliedern der WIDEMA bei der Diskussion um dieses Papier am 14. September angegriffen worden ist. Dennoch hat Prof. Wörner den Anti-Lärm-Pakt an die Planfeststellungsbehörde, den Landtag, die Landesregierung und das Bundesverkehrsministerium sowie an weitere zuständige Stellen übermittelt, indem er schrieb: „In der heutigen Sitzung des Regionalen Dialogforums hat ein Meinungsbild ergeben, dass die überwiegende Mehrheit der Mitglieder das vorliegende Konzept zu einem Anti-Lärm-Pakt im Grundsatz begrüßt.“ Seitdem wird mit diesem Meinungsbild Politik gemacht unter dem Motto: Seht her, die Region lässt 15 Nachtflüge zu!
Wir haben in diesem Jahr die Zusammenarbeit mit unseren Nachbarvereinen in Hattersheim und Hochheim intensiviert. Wir haben im Juni dieses Jahres gemeinsam eine Presse-Erklärung verfasst mit dem Titel „Antilärmpakt ist Mogelpackung zu Lasten der Bürger“. Wir haben gemeinsam am 8. September im Christian-Georg-Schütz-Park eine Informations-Veranstaltung unter dem Motto „Musik liegt in der Luft“ abgehalten, mit Musik von jungen Menschen auf dem Podium und mit den startenden Flugzeugen über uns, wir Vereine von der Mainschiene wollen auch in Zukunft mehr und mehr zusammenarbeiten.Es wurde in diesem Jahr trotz massiver Proteste auch von uns, die wir am 14.06.06 den Umweltausschuss des Bundestages angeschrieben und unsere Bedenken dort vorgetragen haben, und trotz der Einwände von vielen Umweltverbänden ein neues Fluglärmschutzgesetz auf den Weg gebracht, und so werden die Gerichte die dort festgeschriebenen Lärmwerte ihren Urteilen zugrunde legen. Dieses Gesetz, es wird uns nicht helfen, es muss zu Fall gebracht werden. Denn wenn ein Gesetz gegen die Menschenwürde und die menschliche Gesundheit verstößt, dann muss es geändert werden. Wie steht es im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt. Verstößt es nicht gegen die Würde des Menschen, wenn seine Heimat, seine Wohnung, seine Stadt vom Flugzeuglärm zerstört wird, nur weil eine zugegeben große und einflussreiche Aktiengesellschaft es will? Verstößt es nicht gegen die Würde besonders alter Menschen, wenn ihr Lebensabend getrübt wird dadurch, dass ihre Kinder und Enkel ihren Geburtsort verlassen, weil sie dort nicht mehr leben können? Verstößt es nicht gegen die Würde des Menschen, wenn in nur 240 Metern Höhe ein Flugzeug nach dem andern die Totenruhe seiner Verwandten stört?
Und weiter heißt es im Grundgesetz: Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt. Und dann noch: Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Kann man sich entfalten, kann man gesund bleiben unter dem Pfeifen und Dröhnen niedrig fliegender Flugzeuge, nicht im freien Feld, nein, über Wohnhäusern, die dadurch massiv an Wert verlieren?
Darauf werden wir und unsere Anwälte pochen. Denn unter den landenden Flugzeugen ist eine freie Entfaltung der Persönlichkeit, vor allem von Kindern und Heranwachsenden, nicht möglich. Wenn der Lärm die körperliche Unversehrtheit beschädigt, muss er vermieden werden.
Ich möchte zum Schluss kommen und es doch nicht versäumen, auf die Diskussion um den Zusammenhang zwischen Flugverkehr und Klimawandel hinzuweisen. Ich denke, dass es für noch lange Zeit nicht möglich ist, auch durch das Versteuern von Kerosin nicht, uns Menschen das Fliegen zu verleiden, zu groß ist dessen Faszination, zu groß sind dessen Möglichkeiten, innerhalb von 14 Urlaubstagen schnell und weit in die Welt zu kommen, ich selbst nutze diese Form des Reisens. Doch etwas anderes ist neu: Fliegen war einmal, und das ist noch gar nicht so lange her, ein phantastisch gutes Angebot, den heimischen Boden oder die Regenwochen in Deutschland zu verlassen und sich andere Teile der Welt anzusehen oder im Süden die Sonne und ein warmes Meer zu genießen. Doch mittlerweile ist das Fliegen Selbstzweck geworden, nicht mehr das Ziel, der Weg ist das Wichtigste, und so fliegt man für noch nicht einmal 50 Euro an einem Tag nach London oder Mailand und zurück. Und im Verlauf dieser Veränderung ist der Eindruck gewachsen, dass das Fliegen ein unverzichtbarer Bestandteil unseres Lebens ist, wie Essen und Trinken, wie Gesundheit und persönliches Glück. Und dieser Bestandteil des Lebens wird von einer immer stärker wachsenden Tourismusindustrie dazu benutzt, uns einzuhämmern, dass man nur glücklich sein könne, wenn man seine Heimat für einige Tage verlasse, als sei nur ein Ort weit entfernt von der Wohn- oder Arbeitsstätte es wert, gelebt zu werden. Auch die Diskussion um CO2-Ausstoß und Klimaveränderung wird nichts daran ändern. Der erdgebundene Verkehr mag durch neue Technologien den Verbrauch von Benzin und Dieselöl vermindern helfen, die Flugzeuge werden noch lange auf fossile Treibstoffe angewiesen sein. Verweise auf die Schädlichkeit des Luftverkehrs helfen uns also nicht weiter, allein die Ausweitung von Luftverkehr in Ballungsgebieten wird gestoppt werden können.
Mag sein, dass ich von vielen für einen Phantasten gehalten werde wenn ich sage, wir können den Ausbau noch verhindern. Meine Hoffnung richtet sich darauf, dass ein Überflug in weniger als 300 Metern Höhe über einen nach Recht und Gesetz bebauten Stadtteil nicht erlaubt werden kann, denn es gibt dort keine Möglichkeit, weder in einem Haus noch im Garten dahinter oder auf der Straße davor sich ohne Herzklopfen zu bewegen. Und Herzklopfen bedeutet Bluthochdruck, vielleicht Herzinfarkt und Tod. Doch Menschenopfer dürfen niemals gebracht werden, auch für den Luftverkehr nicht, auch für ein Unternehmen wie die Fraport nicht.
Für diese Überzeugung lohnt es sich zu kämpfen, sie ist es wert. Und ich denke, vielen von uns hier geht es wie mir, wenn man unseren Kampf gegen den Flughafenausbau mit einem Schiff vergleicht, das sich in tobender See befindet: Lieber als Kapitän oder Matrose mit dem Schiff unterzugehen als es im einzigen Rettungsboot zu verlassen und Frauen und Kinder, Alte und Schwache zurückzulassen. Das ist für mich die Leitlinie meines Einsatzes für meine Vision: Wenn die Landebahn gebaut und die Flugzeuge über Flörsheim herunterkommen, dass es sich dann herausstellt, dass sie nicht betrieben werden darf. Eine Vision, ja, aber eine, für die sich zu kämpfen lohnt, von mir und später von meinen Nachfolgern hier im Verein, noch lange, nachdem der Planfeststellungsbeschluss ergangen ist. Kämpfen Sie mit, bleiben Sie dabei, werben Sie Freunde und Bekannte für unser gemeinsames Ziel. Es wird sich lohnen, am Ende auf Seiten der Gewinner zu sein.
Zum Schluss noch ein Bild, das mich an die Großmannssucht der Ausbaubefürworter erinnert. Es zeigt den Turmbau zu Babel und ist gemalt von Pieter Bruegel dem Älteren, dem Bauernbruegel, im Jahre 1563. Die Unterschrift unter diesem Bild in einem wunderschönen Bildband über den Maler lautet:
Und sie bauten das Fundament dergestalt, dass seine Höhe den Himmel berühren sollte, als ob das möglich sei, denn es war ihre Absicht, dass sie es so ungemein hoch und groß haben wollten. Aber als der Herr ihre Absicht sah und verstand, da hat er es so gestört, dass der eine den anderen nicht verstand oder die einen den anderen nicht antworten konnten.
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